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In einer einzigen Woche im März 2026 haben Microsoft, Anthropic, Google und OpenAI die Infrastruktur für KI-gestützten Einkauf festgelegt. Das ist kein Trend mehr. Das ist die neue Grundlage, auf der B2B-Kaufentscheidungen getroffen werden.

38%Top-10-Zitierrate in AI Overviews: Im Juli 2025 kamen 76% der AI-Overview-Zitate aus den Top 10. Im März 2026 nur noch 38%. Quelle: Evergreen Media
93%Zero-Click-Rate in AI Mode: Google AI Mode beendet 93% der Suchen ohne einen Klick. Nutzer verbringen 49 Sekunden in AI Mode vs. 21 in AI Overviews. Quelle: SearchesEverywhere
$100MAnthropic Partner-Investment: Am 12. März 2026 startete Anthropic das Claude Partner Network mit $100M Investition und eigener Zertifizierung. Quelle: Anthropic Blog
$1,9 Mrd.Adobe kauft Semrush: SEO + GEO + Brand-Visibility in einer Enterprise-Plattform. Closing H1 2026. Quelle: Adobe News

Microsoft bringt Claude in den Arbeitsalltag

Am 9. März 2026 stellte Microsoft Copilot Cowork vor: ein Multi-Step-Agent, der über Outlook, Teams, Excel und PowerPoint hinweg arbeitet. Die technische Basis liefert nicht nur GPT, sondern auch Claude von Anthropic.

Microsofts eigene Formulierung: "Copilot hosts the best innovation from across the industry and chooses the right model for the job regardless of who built it." Das ist eine klare Aussage. Der Wettbewerb zwischen den Modellen findet nicht mehr auf der Ebene einzelner Chatbots statt, sondern in der Infrastruktur, die Millionen von Büroarbeitsplätzen durchdringt.

Drei Tage später, am 12. März, startete Anthropic das Claude Partner Network mit einer Investition von $100M. Es gibt eine eigene Zertifizierung ("Claude Certified Architect"), ein Partner-Portal mit Trainingsressourcen und ein Marketplace in limitierter Preview mit sechs Launch-Partnern: GitLab, Harvey, Lovable, Replit, Rogo und Snowflake.

Die Preise für Copilot Cowork: $30/Nutzer/Monat oder $99 im M365 E7-Bundle. Das ist kein Experiment. Das ist ein Produkt mit Preisliste, das auf Enterprise-Rollouts ausgelegt ist.

Wer gewinnt: Anthropic (Enterprise-Validierung durch Microsoft-Integration), B2B-Anbieter mit gut strukturierter Dokumentation (Copilot Cowork durchsucht diese für Nutzer), Beratungsunternehmen, die sich als Claude-Partner zertifizieren lassen.

Wer verliert: SaaS-Anbieter, deren Produktdokumentation nicht maschinenlesbar ist. Wenn ein KI-Agent die Antwort nicht in den Docs findet, empfiehlt er den Wettbewerber.

Weiterführend: Das Agentic Web als neue Zielgruppe und Content-Erstellung mit KI-Agents.


Agentic Commerce: Die Checkout-Frage ist geklärt

Am 6. März 2026 zog OpenAI den nativen Checkout aus ChatGPT zurück. Stattdessen übernimmt Shopify mit "Agentic Storefronts" (Winter '26 Edition): Ein Setup syndiziert den Katalog gleichzeitig an ChatGPT, Perplexity und Copilot. Über eine Million Händler können das sofort nutzen.

Das ist eine wichtige Weichenstellung. OpenAI versucht nicht mehr, selbst zur Kaufplattform zu werden. Stattdessen wird ChatGPT zum Vermittler, der Nutzer zu bestehenden Checkout-Infrastrukturen weiterleitet.

Google ging den umgekehrten Weg. Das Universal Commerce Protocol (UCP), angekündigt von Sundar Pichai am 11. Januar 2026 auf der NRF, bringt einen nativen Buy-Button in AI Mode und Gemini. Hinter dem offenen Standard stehen Shopify, Etsy, Wayfair, Target, Walmart und über 20 weitere Partner.

McKinsey beziffert den Agentic-Commerce-Markt auf $1 Billion in den USA und $3-5 Billionen global bis 2030. 23% der Amerikaner haben im letzten Monat KI-gestützt eingekauft. KI-Empfehlungen konvertieren 4,4x besser als klassische Suche.

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Wer gewinnt: Shopify (Plattform-Infrastruktur für alle drei KI-Kanäle gleichzeitig), B2B-Anbieter mit sauberen Produktdaten und strukturierten Katalogen, Google (UCP als offener Standard mit breiter Händler-Unterstützung).

Wer verliert: Händler ohne maschinenlesbare Produktdaten, Plattformen ohne Agentic-Anbindung, B2B-Anbieter, die ihre Produkte nur über menschliche Sales-Prozesse vertreiben.

Weiterführend: KI verändert Commerce und Automatisierte Kundengewinnung im B2B.


Zwei Monetarisierungsmodelle, ein Markt

Am 9. Februar startete ChatGPT Werbung: $60 CPM, Criteo als erster Ad-Tech-Partner (bestätigt am 2. März). Keine Anzeigen für zahlende Nutzer, keine Anzeigen unter 18 oder bei sensiblen Themen. OpenAI betont: "Ads do not influence the answers ChatGPT gives you."

Am 18. Februar ging Perplexity in die entgegengesetzte Richtung und strich alle Werbung komplett. Ein Perplexity-Manager gegenüber der Financial Times: "A user needs to believe this is the best possible answer. The challenge with ads is that a user would just start doubting everything."

ChatGPT: Werbefinanziert

  • $60 CPM, Criteo als Ad-Tech-Partner
  • Werbung nur für Free/Go-Nutzer
  • Native Checkout entfernt, Redirect-Modell via Shopify
  • 87,4% aller KI-Referral-Traffic (Conductor 2026)
  • LLM-Traffic konvertiert 1,5x besser als andere Referral-Kanäle

Perplexity: Abo + Enterprise

  • Alle Werbung gestrichen (18. Feb. 2026)
  • 80% der Abo-Einnahmen an Publisher-Programm
  • "Buy with Pro" für direkte Käufe (Shopify-Integration)
  • Einzige Plattform, die aktiv BoFu-Vergleichsseiten zitiert
  • 91% URL-Überschneidung mit Google Top 10

Für B2B-Anbieter bedeutet diese Spaltung: Die Content-Strategie muss plattformspezifisch sein. ChatGPT-Sichtbarkeit folgt anderen Regeln als Perplexity-Sichtbarkeit. Ein einheitlicher GEO-Ansatz erreicht einen Großteil der Buying-Committee-Mitglieder nicht.

Weiterführend: Sichtbar in ChatGPT, Perplexity und Claude und ChatGPT-SEO.


AI Overviews: Die Top-10-Dominanz bricht zusammen

Die vielleicht wichtigste strukturelle Verschiebung dieses Quartals passiert leise. Im Juli 2025 stammten 76% der AI-Overview-Zitate aus Seiten, die organisch in den Top 10 rankten. Im März 2026 sind es nur noch 38%.

Juli 2025: Top-10-Zitate76%
März 2026: Top-10-Zitate38%
Position 11-10031%
Nicht in Top 10031%

Quelle: Evergreen Media

Das bedeutet: 62% der AI-Overview-Zitate kommen von Seiten, die in der klassischen Google-Suche nicht auf der ersten Seite erscheinen. Wer ausschließlich auf organische Rankings optimiert, verliert systematisch Sichtbarkeit im Format, das bei 82% aller B2B-Tech-Anfragen erscheint.

Gleichzeitig zeigt eine Ahrefs-Studie: Wenn ein AI Overview erscheint, verliert das Top-1-Ergebnis 58% seiner Klicks. Position 2 verliert 50,8%, Position 3 verliert 46,4%.

Google AI Mode verschärft das Problem weiter: 93% Zero-Click-Rate. Nutzer verbringen 49 Sekunden in AI Mode, doppelt so lang wie in AI Overviews. Die Suchmaschine wird zur Antwortmaschine. Der Klick auf eine Website ist nicht mehr der Normalfall.

Wer gewinnt: B2B-Anbieter mit Author Schema, aktuellem Content (<60 Tage), hohem Domain-Traffic und FAQ-Inhaltsblöcken (nicht FAQ-Schema). Anbieter mit starker Drittanbieter-Präsenz (G2, Capterra, Branchenpublikationen).

Wer verliert: Unternehmen, die SEO und GEO als identische Disziplin behandeln. Publisher, die auf organischen Traffic angewiesen sind (HubSpot -70-80%, Forbes -50%).

Weiterführend: Website für KI-Suchen optimieren und SEO vs. GEO.


Adobe kauft Semrush: GEO wird Enterprise-Infrastruktur

Adobe übernimmt Semrush für $1,9 Mrd. in bar. Die Aktionäre stimmten am 3. Februar 2026 zu, der Abschluss wird für H1 2026 erwartet.

Die strategische Begründung von Adobe: "Together, Adobe and Semrush will deliver a comprehensive solution that gives marketers a holistic understanding of how their brands appear across owned channels, large language models (LLMs), traditional search and the wider web."

Das ist bemerkenswert. Adobe positioniert GEO nicht als Ergänzung zu SEO, sondern als gleichwertigen Kanal neben Owned Media und traditioneller Suche. Die Übernahme signalisiert dem Markt: KI-Sichtbarkeit ist kein Nischenthema mehr, sondern Enterprise-Infrastruktur.

Für den fragmentierten GEO-Tool-Markt (über 20 Anbieter, kein Kategorieleader, wie im letzten Report beschrieben) ändert sich die Dynamik. Adobe/Semrush wird zum Default für Enterprise-Kunden. Spezialisierte Anbieter wie Peec AI (Berlin, DACH-Fokus), Profound (breiteste Engine-Abdeckung) und die Newcomer müssen sich über Tiefe differenzieren, nicht über Breite.

Weiterführend: PR-Tool zur Analyse von LLM-Modellaussagen und SEO-Audits 2026.


Das Verdict

Die Woche vom 6. bis 12. März 2026 wird rückblickend als der Moment gelten, in dem KI-Infrastruktur für B2B-Einkauf von der Prognose zur Realität wurde.

Microsoft integriert Claude in den täglichen Arbeitsablauf von Millionen Büroarbeitsplätzen. Anthropic investiert $100M in ein Partner-Ökosystem mit Zertifizierung und Marketplace. Google und Shopify definieren die Checkout-Standards für Agentic Commerce. Adobe kauft das führende SEO/GEO-Tool und macht KI-Sichtbarkeit zum Enterprise-Standard. Und die Daten zeigen: 62% der AI-Overview-Zitate kommen nicht mehr aus den organischen Top 10.

Wise Relations

Die drei Infrastrukturentscheidungen dieser Woche

AGENTIC COMMERCE

  • Microsoft Copilot Cowork + Claude: KI-Agenten im Arbeitsalltag
  • Google UCP + Shopify Agentic Storefronts: Checkout-Standard gesetzt
  • Adobe/Semrush: GEO wird Enterprise-Infrastruktur

Für B2B-Entscheider in der DACH-Region gibt es eine klare Handlungsaufforderung: Prüfen Sie, ob Ihr Unternehmen in den drei Kanälen sichtbar ist, über die KI-Agenten Kaufentscheidungen vorbereiten. Prüfen Sie, ob Ihre Produktdokumentation maschinenlesbar ist. Und prüfen Sie, ob Ihre Daten in den Systemen ankommen, in denen die Entscheidungen fallen.

Die Infrastruktur steht. Die Frage ist nicht mehr, ob KI-Agenten den B2B-Einkauf verändern. Die Frage ist, ob Ihr Unternehmen in deren Ergebnissen auftaucht.


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