Auf dieser Seite
Zwei Lager, eine falsche Frage. Das eine sagt, Linkbuilding sei tot, guter Content reiche aus. Das andere sagt, mehr Backlinks bedeuten mehr Ranking, also weiter zukaufen. Beide berufen sich auf Google. Beide liegen falsch, aus unterschiedlichen Gründen, und beide übersehen denselben blinden Fleck.
Google selbst hat den Streit befeuert. John Mueller sagte im Februar 2021 in einem Search-Central-Hangout, die Gesamtzahl der Links spiele überhaupt keine Rolle. Gary Illyes legte im April 2024 auf der SERPConf2024 nach: Man brauche nur sehr wenige Links, um Seiten zu ranken, Google habe Links über die Jahre weniger wichtig gemacht. Für das Content-Lager klang das wie eine Bestätigung. Für das Volumen-Lager war es Anlass, die Aussage zu relativieren, Illyes zog sie per Tweet halb zurück. Beide Reaktionen ignorieren, was eine Auswertung von 1 Million Keywords tatsächlich zeigt.
Was die Zahlen tatsächlich zeigen
Ahrefs hat, ausgewertet von Patrick Stox, Anfang 2025 rund 1 Million Keywords gegen mehrere Link-Kennzahlen laufen lassen. Das Ergebnis widerspricht beiden Lagern gleichzeitig. Domain Rating, also die aggregierte Autorität einer Domain, korreliert mit nur 0,131 mit dem tatsächlichen Ranking. Wer also DR-Zahlen kauft, kauft eine schwache Kennzahl. Referring Domains, also die Anzahl unterschiedlicher verweisender Domains, korrelieren mit 0,255, fast doppelt so stark. Nicht die Autorität in Summe zählt, sondern wie breit und relevant die verweisenden Quellen gestreut sind.
Die zweite Beobachtung stützt das Content-Lager teilweise, aber nur teilweise. Die Korrelation von Links insgesamt ist seit der Vorgängerstudie von 2019 gesunken, von 0,27 auf einen Bereich zwischen 0,22 und 0,24. Das deckt sich mit Illyes' Aussage, Links seien graduell weniger wichtig geworden. Graduell ist aber nicht dasselbe wie irrelevant. Und genau hier hilft ein zweites, unabhängiges Experiment, die Kausalitätsfrage zu klären, die reine Korrelationsdaten offenlassen.
Der Kausalitätstest: was passiert, wenn man Links entfernt
Ahrefs hat 2021 ein Experiment gefahren, das im Backlink-Streit selten zitiert wird, obwohl es die einzige direkte Antwort auf die Kausalitätsfrage liefert. Für drei Blogartikel wurden insgesamt 3.476 reale, bestehende Backlinks für einen Monat disavowed, also gegenüber Google für ungültig erklärt. Kein anderer Faktor wurde verändert. Der Traffic auf den betroffenen Seiten sank daraufhin um 13,3 bis 18 Prozent. Nach Aufhebung des Disavows erholte sich der Traffic auf den meisten Seiten fast vollständig, in einem Fall um 44 Prozent.
Das ist kein Korrelationsbefund, den man wegdiskutieren kann. Es ist ein kontrolliertes Entfernen einer Variablen mit einem sofort messbaren Effekt. Wer daraus schließt, Content allein genüge, muss erklären, warum das Entfernen von nichts als Links den Traffic senkt, ohne dass sich am Inhalt etwas ändert.
Gleichzeitig zeigt ein Praktiker-Feldtest, dass nicht jeder Link gleich wirkt. Ein Autor auf Indie Hackers gab 3.200 US-Dollar aus, um bei zehn verschiedenen Linkbuilding-Agenturen Links einzukaufen. Ein Link von einem Finanz-Blog mit 200.000 monatlichen Besuchern brachte innerhalb von drei Wochen 18 Prozent mehr Traffic. Links von Seiten, die sichtbar nur zum Linkverkauf gebaut waren, blieben wirkungslos oder schadeten. Relevanz und echte Reichweite der verweisenden Seite schlugen die reine Existenz des Links, ganz im Sinne dessen, was die 1-Millionen-Keyword-Studie mit der Referring-Domain-Korrelation misst.
Aus unseren Search-Console-Daten (Stand: KW 26/2026)
Unsere eigene Search Console zeigt ein Nachfragesignal, das zum Bild passt, auch wenn es nur unsere Zahlen sind und keine Marktstatistik. Diese Impressionen sind ein Leading Indicator für Suchinteresse, keine Aussage über Marktgröße:
- 416 Impressionen, Position 10, für "seo white label"
- 400 Impressionen, Position 9,5, für "white label seo"
- 409 Impressionen, Position 15,1, für "backlink aufbau"
- 262 Impressionen, Position 19, für "backlink strategie"
- 153 Impressionen, Position 5,6, für "linkstruktur"
Die Nachfrage nach Link- und White-Label-Themen ist bei uns hoch, gemessen an den Impressionen. Nur landet sie auf Position 9 bis 19, technisch Seite 1 bis 2, praktisch eine Sackgasse für die meisten Klicks. Die interne Linkstruktur dagegen rankt bereits auf Position 5,6, mit deutlich weniger Impressionsvolumen, aber näher am ersten Klick. Genau die Diskrepanz, die die Ahrefs-Daten erklären: Volumen-Denken plateaut bei Position 10 bis 15, während der Hebel, der in der öffentlichen Debatte kaum vorkommt, bereits vorne rankt.
Lager "Content genügt"
- Linkbuilding sei tot, gute Inhalte allein reichten
- Beruft sich auf Googles eigene Aussage "Links weniger wichtig"
- Ignoriert den Disavow-Befund: Entfernen realer Links senkt Traffic sofort messbar
Lager "Mehr Links = besser"
- Mehr Backlinks bzw. höhere Domain-Autorität bringe automatisch bessere Rankings
- Google selbst: die Gesamtzahl der Links spiele keine Rolle
- Ignoriert, dass Domain Rating mit 0,131 fast doppelt so schwach korreliert wie Referring-Domain-Diversität mit 0,255
Der übersehene Hebel: was intern passiert
Beide Lager reden fast ausschließlich über externe Links. Interne Inlinks korrelieren in der Ahrefs-Studie mit nur 0,117, schwächer als externe Backlinks. Trotzdem hält Patrick Stox von Ahrefs fest, dass interne Verlinkung vor Veröffentlichung geplant werden sollte, weil sie steuert, wie die eigene Linkautorität innerhalb der Seite fließt. Es ist der Hebel, der Ihnen gehört, ohne dass Sie auf eine fremde Domain angewiesen sind.
Ein Praxisfall aus der Nahrungsergänzungsmittel-Nische zeigt, was das bedeuten kann. Der SEO-Berater Matt Diggity baute für einen Kunden zuerst eine interne "Power Hub"-Architektur auf, Pillar-Seiten, die thematisch verwandte Cluster-Inhalte bündeln und gezielt untereinander verlinken, dazu Domainmigration und E-E-A-T-Signale, und ergänzte das erst danach um externen Linkaufbau über HARO-Anfragen. In gut sechs Monaten stieg der organische Traffic um 60,99 Prozent, von 4.202 auf 6.765 Nutzer, die Zahl der Keywords in den Top 100 um 188 Prozent, von 1.405 auf 2.288. Diggity selbst führt das Ergebnis auf das Zusammenspiel aller Maßnahmen zurück, nicht auf einen einzelnen Hebel, aber die interne Architektur stand am Anfang der Maßnahmenkette, nicht am Ende.
Das deckt sich mit dem, was wir in eigenen Projekten unter interner Linkstruktur beschreiben: Wer Themencluster bewusst über Hub-Seiten verbindet, verteilt vorhandene Autorität dorthin, wo sie fehlt, statt neue Autorität teuer zuzukaufen. Das ist kein Ersatz für Backlink-Aufbau, aber oft der Schritt, der vor zusätzlichem externem Linkaufbau zuerst ansteht, weil er die vorhandene Substanz erst richtig verteilt, bevor neue externe Autorität dazukommt.
Für Unternehmen, die Linkarbeit auslagern, kommt eine zweite Entscheidung hinzu: wer die Arbeit macht. White-Label-SEO verspricht Skalierung, verschiebt aber die Qualitätskontrolle über die Relevanz der Linkquellen an einen Dritten, genau die Variable, die laut Ahrefs-Studie und Indie-Hackers-Feldtest am stärksten über Erfolg oder Wirkungslosigkeit entscheidet. Wer Linkarbeit auslagert, ohne die Auswahllogik der Quellen zu prüfen, kauft im Zweifel dieselbe Streuung ein, die in der Praxis wirkungslos blieb.
Kostenlose Ersteinschätzung. Wie verteilt sind Ihre eigenen Links, extern und intern? Wir prüfen Ihre Domainstruktur gegen die Referring-Domain-Logik, nicht gegen eine reine Linkzahl. Jetzt anfragen
Was das praktisch bedeutet
Google definiert Linkspam über die Absicht zur Ranking-Manipulation, nicht über die Linkmenge. Bezahlte Links sind zulässig, solange sie mit rel="nofollow" oder rel="sponsored" markiert sind. Das ist die offizielle Leitplanke, an der sich beide Lager orientieren sollten, statt an der Frage, ob Links tot oder lebendig sind.
Zählen Sie Referring Domains, nicht Linkzahlen. Die Diversität der verweisenden Domains korreliert fast doppelt so stark mit Rankings wie Domain Rating. Ein einzelner, relevanter Verweis von einer themennahen Seite mit echter Reichweite wiegt mehr als zehn Verweise von Linkverkaufsseiten.
Prüfen Sie, bevor Sie kaufen, wer tatsächlich verweist. Der Indie-Hackers-Feldtest zeigt eine Spanne von plus 18 Prozent Traffic bis hin zu wirkungslosen Käufen, abhängig allein von der Relevanz der Quelle. Diese Prüfung lässt sich nicht outsourcen, ohne die Kontrolle zu verlieren.
Bauen Sie die interne Architektur, bevor Sie extern nachlegen. Mit 0,117 korreliert sie schwächer als externe Links, aber sie kostet keinen Cent Linkkauf und verteilt vorhandene Substanz sofort um. Im Diggity-Fall stand sie am Anfang der Maßnahmenkette, vor dem zusätzlichen externen Linkaufbau.
Der Streit zwischen "Linkbuilding ist tot" und "mehr Links sind besser" wird sich nicht auflösen, solange beide Seiten dieselbe Frage stellen. Die Daten beantworten eine andere: welche Links, wie verteilt, und was intern mit der eigenen Autorität passiert, bevor überhaupt neue Links dazukommen.
Methodik: Auswertung öffentlich zugänglicher Studien, Google-Stellungnahmen und Praxisfälle zum Thema Backlinks und interne Verlinkung, Stand Juli 2026. Erstpartei-Daten stammen aus der eigenen Google Search Console von wise-relations.com, KW 26/2026, und werden als Nachfragesignal für die eigene Domain gerahmt, nicht als repräsentative Marktzahl.
Externe Kennzahlen: Google Search Central zu Spam Policies und Link-Absicht; Search Engine Journal zu John Muellers Aussage zur Gesamtlinkzahl (Februar 2021); Search Engine Journal zu Gary Illyes' Aussage auf der SERPConf2024 (April 2024); Ahrefs zur 1-Millionen-Keyword-Korrelationsstudie (2025); Ahrefs zum Disavow-Kausalitätsexperiment; Indie Hackers zum Feldtest mit zehn Linkbuilding-Agenturen; Diggity Marketing zur Power-Hub-Fallstudie in der Nahrungsergänzungsmittel-Nische.