Auf dieser Seite

Die Branche handelt seit Jahren mit einer Kennzahl. Domain Rating, Domain Authority, Trust Flow, je nach Anbieter anders benannt, aber immer dasselbe Versprechen: eine Zahl zwischen 0 und 100, die sagt, was eine Domain wert ist. Einkaufslisten sind danach sortiert, Angebote danach gestaffelt, Budgets danach freigegeben.

Wir wollten wissen, ob der Markt sich selbst daran hält. Ein Backlink-Marktplatz listet rund 1.000 Domains, jede mit drei Ahrefs-Kennzahlen und einem Preis: Domain Rating, Anzahl verweisender Domains, geschätzter monatlicher Traffic. Damit lässt sich die Frage direkt beantworten, ohne Umweg über Rankings: Wofür zahlt der Markt eigentlich?

Wir haben eine Stichprobe von 160 Einträgen gezogen, quer über alle Preisklassen von 90 bis 3.585 Euro, und die drei Kennzahlen gegen den Preis gerechnet. Die Antwort ist eindeutig und für die Verkäuferseite unbequemer als für die Käuferseite.

0,08Korrelation Domain Rating zu Preis, logarithmiert, über 160 Domains
0,23Korrelation verweisende Domains zu Preis, ebenfalls schwach
0,51Korrelation geschätzter Traffic zu Preis, der einzige tragende Faktor
0,7 %der Preisvarianz erklärt das Domain Rating allein

Drei DR-Punkte, 700 Euro Unterschied

Die Korrelation zwischen Domain Rating und Preis liegt bei 0,08. Als Bestimmtheitsmaß ausgedrückt: Das Domain Rating erklärt 0,7 Prozent der Preisunterschiede. Das ist statistisch nicht von null zu unterscheiden.

Ein Blick auf die Preisklassen macht das anschaulicher als jeder Korrelationskoeffizient. Domains, die zwischen 300 und 600 Euro kosten, haben ein Median-Domain-Rating von 61. Domains, die zwischen 1.000 und 1.800 Euro kosten, haben eines von 64. Drei Punkte trennen zwei Klassen, zwischen denen 700 Euro liegen. Wer 1.500 Euro für DR 64 zahlt statt 450 Euro für DR 61, zahlt einen Aufschlag von 1.050 Euro für drei Punkte auf einer Skala, die der Verkäufer selbst nicht als Preisgrundlage benutzt hat.

Die Anzahl verweisender Domains schneidet mit 0,23 besser ab, bleibt aber schwach. Auch das passt ins Bild: Verweisende Domains sind ebenfalls eine Linkgraph-Kennzahl und teilen deren Manipulierbarkeit, wenn auch in geringerem Maß.

Der geschätzte monatliche Traffic korreliert mit 0,51. Das ist, gemessen an dem, was in dieser Domäne üblich ist, ein starker Zusammenhang. Der Markt preist Publikum, nicht Autorität.

Die Formel

Aus der Regression über die logarithmierten Werte ergibt sich eine Preisfunktion, die sich im Kopf rechnen lässt:

Preis ≈ 110 € × Traffic hoch 0,185

Der Median-Treffer liegt bei 0,98. Über die 160 Domains hinweg trifft die Formel den tatsächlichen Listenpreis also im Mittel fast exakt. Praktisch heißt das: 10.000 monatliche Besucher kosten rund 600 Euro, und jede Verzehnfachung des Traffics kostet ungefähr das Anderthalbfache.

Der Exponent ist die eigentliche Nachricht. 0,185 bedeutet eine sehr flache Kurve. Von 1.000 auf 100.000 Besucher, also um den Faktor hundert, wächst der Preis nur um das 2,4-fache. Ein Nischenblog mit 3.000 verlässlichen Lesern steht bei rund 480 Euro und damit bei etwa 40 Prozent dessen, was eine Domain mit dreihundertfacher Reichweite erzielt.

Für Betreiber kleiner Seiten ist das eine gute Nachricht, für Betreiber großer eine schlechte. Reichweite skaliert im Preis nicht annähernd so, wie sie in der Akquise skaliert.

Die Streuung ist dabei erheblich. Nur die Hälfte aller Angebote liegt innerhalb von 40 Prozent um den Formelwert. Ein Viertel kostet weniger als das 0,65-fache, ein Viertel mehr als das 1,55-fache. Bei gleichem Traffic schwankt der Listenpreis am Markt also um den Faktor drei bis vier. Die Formel taugt deshalb nicht als Bewertung einer einzelnen Domain, sondern als Referenzlinie: Wer für 20.000 Besucher 1.900 Euro verlangt, verlangt das Dreifache dessen, was andere Verkäufer für dieselbe Reichweite aufrufen. Das ist möglich, aber es braucht ein Argument.

Wer seine eigene Seite gegen diese Linie stellen will, findet den Rechner mit Kategorieaufschlag und Jahresrechnung unter Blog monetarisieren.

Was die Kategorie ausmacht

Zieht man den Traffic-Effekt heraus, bleibt eine systematische Restabweichung je Kategorie. Sie reicht von Faktor 1,57 bis 0,79, also über eine Spanne von rund 60 Prozent.

Kategorie Faktor Kategorie Faktor
Health 1,57 Entertainment 1,05
Lifestyle 1,43 Sports & Fitness 0,98
Education 1,41 Travel & Tourism 0,91
Finances 1,34 News & Media 0,81
Business 1,22 Technology & Software 0,79
Sonstige 1,19 House & Living 0,79
Electronics 1,07

Konkret: Ein Gesundheitsportal mit 30.000 Besuchern kostet rund 1.160 Euro. Eine Nachrichtenseite mit exakt denselben 30.000 Besuchern kostet rund 600 Euro. Der Unterschied liegt nicht in der Qualität der Seite und nicht in ihrer Linkkraft, sondern in der Zahlungsbereitschaft der Käufer. In Health, Finance und Education stehen regulierte Anbieter mit hohen Kundenwerten hinter der Anfrage. In News und Technology ist das Angebot groß und der Kundenwert je Platzierung klein.

Für Betreiber, deren Blog thematisch zwischen zwei Kategorien steht, entscheidet die Zuordnung über mehrere hundert Euro je Beitrag. Ein Blog über Praxissoftware für Ärzte ist Technology mit Faktor 0,79 oder Health mit Faktor 1,57, je nachdem, welche Artikel im Vordergrund stehen. Diese Entscheidung fällt in der Content-Struktur, nicht im Verkaufsgespräch.

Elf Impressumsgeneratoren, oder: warum der Markt recht hat

Die Kategorie Legal umfasst in diesem Katalog vierzehn Domains. Elf davon sind keine Rechtsportale, sondern Generatoren für Rechtstexte: Muster für Datenschutzerklärungen, Impressumsgeneratoren, Vorlagen für Widerrufsbelehrungen, in deutscher und niederländischer Sprache.

Ihre Kennzahlen: Domain Rating zwischen 71 und 83. Das sind Werte, für die in Einkaufslisten vierstellige Beträge stehen. Ihr monatlicher Traffic: zwischen null und 349. Ihr Preis: bei allen elf zwischen 210 und 230 Euro.

Der Mechanismus dahinter ist offensichtlich, sobald man ihn einmal gesehen hat. Generator-Seiten sammeln Backlinks aus jeder Website, die den erzeugten Text mitsamt Herkunftsverweis einbindet. Tausende Impressumsseiten verlinken zurück auf den Generator. Das treibt das Domain Rating in Höhen, die redaktionelle Angebote selten erreichen, und erzeugt kein einziges Publikum.

Der Markt hat diese elf Domains korrekt bewertet, nämlich nach ihrem Traffic und nicht nach ihrer Kennzahl. Zum Vergleich: Die drei echten Jura-Inventare im selben Katalog stehen bei 492, 414 und 754 Euro, jeweils mit substanziellem Traffic.

Das ist gleichzeitig der Beleg dafür, dass die Formel funktioniert, und die Warnung an jeden Betreiber, der sein Domain Rating als Preisargument einsetzen möchte. Der Markt schaut auf die Zahl, die sich nicht künstlich erzeugen lässt.

Was Verkäufer für preisrelevant halten

  • Domain Rating und Domain Authority als Hauptargument
  • Anzahl der Backlinks und verweisenden Domains
  • Alter der Domain und Zahl der indexierten Seiten
  • Korreliert mit dem tatsächlichen Preis: 0,08 bzw. 0,23

Was der Markt tatsächlich bezahlt

  • Geschätzter monatlicher Traffic, Korrelation 0,51
  • Kategorie und Zahlungsbereitschaft der Käuferbranche, Spanne 0,79 bis 1,57
  • Thematische Passung, die sich in keiner Kennzahl abbildet
  • Domain Rating erklärt 0,7 Prozent der Preisunterschiede

Zwei größere Erhebungen, dasselbe Muster

Unsere Stichprobe ist klein und stammt aus einem einzigen Katalog. Zwei internationale Auswertungen mit zusammen über 300.000 Domains bestätigen das Bild und liefern die Einordnung, die eine Stichprobe von 160 nicht leisten kann.

BuzzStream hat 257.267 gelistete Domains mit vollständigen Kennzahlen ausgewertet. Der Durchschnittspreis über Vermittler liegt bei 461 US-Dollar, im Direktkontakt mit dem Betreiber bei 295 US-Dollar. Der Aufschlag der Vermittlung beträgt damit rund 56 Prozent. Bemerkenswerter als der Preis ist eine andere Zahl derselben Erhebung: 39,6 Prozent der weltweit gelisteten Publisher-Domains haben keinen organischen Traffic, und nur 1,37 Prozent fallen in die beiden obersten Qualitätsstufen. Vier von zehn Domains, die als Linkquelle angeboten werden, haben also kein Publikum.

Adsy hat 52.671 Websites analysiert und kommt auf 459 US-Dollar je Gastbeitrag, mit einem Anstieg von 7,5 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Aus derselben Auswertung stammt die für Verkäufer wichtigste Zahl: Der durchschnittliche Angebotspreis liegt bei 929 US-Dollar, tatsächlich gezahlt werden im Mittel 207 US-Dollar. Zwischen Listenpreis und Abschluss liegt der Faktor vier.

Zum Vergleich: Ahrefs kam 2023 in einer eigenen Erhebung auf einen Durchschnitt von 77,80 US-Dollar je gekauftem Link. Dass die neueren Zahlen deutlich darüber liegen, spiegelt teils Preissteigerung, vor allem aber unterschiedliche Grundgesamtheiten: reine Linkplatzierungen gegen redaktionelle Gastbeiträge inklusive Textproduktion.

Für Betreiber folgen aus diesen Zahlen drei Dinge.

Wer echten Traffic hat, muss das sichtbar machen. Der Wettbewerb besteht zu 40 Prozent aus Domains ohne Publikum, die in denselben Listen stehen und mit denselben Kennzahlen werben. Analytics-Screenshots, Search-Console-Auszüge und eine öffentliche Mediadatenseite sind kein Marketing, sondern Abgrenzung.

Der Listenpreis ist eine Verhandlungsposition, kein Erlös. Der Faktor vier zwischen Angebot und Abschluss ist keine Anomalie einzelner Anbieter, sondern der Normalfall über 52.671 Websites. Wer seine Kalkulation auf Listenpreise stützt, kalkuliert vierfach zu hoch.

Die Vermittlermarge ist der Preis für Reichweite in den Einkaufsabteilungen. Rund 56 Prozent Aufschlag, dazu Marktplatzprovisionen, die je nach Plattform zwischen etwa 5 und 40 Prozent liegen. Wer direkt verkauft, behält diese Spanne, muss die Nachfrage aber selbst erzeugen. Genau hier entscheidet sich, ob Direktverkauf lohnt: nicht am Preis, sondern an der Frage, ob überhaupt jemand anfragt.

Was ist Ihr Blog wert? Wir prüfen Reichweite, Themenprofil und Linkumfeld Ihrer Seite und sagen Ihnen, in welcher Preisklasse Sie tatsächlich stehen. Kostenlos, in 48 Stunden. Blog anbieten

Was die Zahlen nicht abbilden

Drei Einschränkungen gehören zu diesem Ergebnis, und sie sind für die praktische Anwendung wichtiger als die Nachkommastellen.

Der Traffic in der Auswertung ist eine Ahrefs-Schätzung aus Keyword-Rankings, nicht die Analytics-Zahl des Betreibers. Für die Preisbildung spielt das keine Rolle, weil Verkäufer und Käufer denselben Schätzwert vor sich haben. Für die Verhandlung spielt es eine große Rolle: Schätzung und Realität weichen regelmäßig um den Faktor zwei bis fünf ab, in beide Richtungen. Liegt die echte Zahl über der Schätzung, ist das das stärkste verfügbare Preisargument.

Preise bündeln sich außerdem dort, wo ein Vermarkter mehrere Domains führt. Dreizehn niederländische Finanzportale im Katalog stehen sämtlich bei exakt 1.235 Euro, darunter eines mit 674.000 monatlichen Besuchern und eines mit 9.600. Wer die Kategorie Finances mit Faktor 1,34 bewertet, bewertet zu einem erheblichen Teil die Listenpreis-Entscheidung dieses einen Vermarkters. Kategoriefaktoren mit kleinen Stichproben, Education mit vier und House & Living mit fünf Domains, sind entsprechend unsicher.

Und die Stichprobe bildet Listenpreise ab, keine Abschlüsse. Die oben zitierte Lücke zwischen 929 und 207 US-Dollar gilt auch hier.

Kennzeichnung ist keine Verhandlungssache

Ein gekaufter Link bleibt ein gekaufter Link. Google behandelt Kauf und Verkauf ausdrücklich als zulässige wirtschaftliche Tätigkeit, solange der Link mit rel="sponsored" oder rel="nofollow" ausgezeichnet ist. Ohne diese Auszeichnung verstößt er gegen die Spam-Richtlinien, und zwar auf beiden Seiten. Die Sanktion trifft nicht nur den Käufer.

Bei redaktionellen Angeboten kommt die Kennzeichnungspflicht für bezahlte Inhalte nach § 5a Abs. 4 UWG und den Landespressegesetzen hinzu. Keine der rund 1.000 Katalogzeilen enthält eine Angabe dazu, wie die jeweilige Seite das handhabt. Wer als Betreiber sauber kennzeichnet, verliert einen Teil der Nachfrage und behält den Rest seines Geschäfts.

Die zweite Regel betrifft das Umfeld. Googles Richtlinie zum Site Reputation Abuse zielt auf Inhalte, die auf einer Domain nur deshalb stehen, weil die Domain rankt, und nicht, weil sie redaktionell dorthin gehören. Ein Gastbeitrag, der zum Blog passt, ist davon nicht betroffen. Eine Rubrik mit fachfremden Beiträgen ist es. Der Unterschied ist inhaltlich, nicht technisch, und deshalb auch nicht durch ein Attribut zu heilen.

Was das für beide Seiten bedeutet

Für Einkäufer ist die Konsequenz unmittelbar: Kennzahlensortierte Einkaufslisten kaufen eine Variable, die der Markt selbst nicht bepreist. Der Prüfschritt, der sich lohnt, ist der billigste von allen, nämlich ein Blick auf den geschätzten Traffic und darauf, ob die Seite ein erkennbares Publikum hat. Welche Linksignale tatsächlich auf Rankings durchschlagen, ist eine andere Frage, die wir im Beitrag zum Backlink-Aufbau und in der Auswertung zum Backlink-Mythos behandeln.

Für Betreiber ist die Konsequenz strategisch. Wer sein Domain Rating über Verzeichniseinträge und Linktausch nach oben schiebt, verkauft danach zum selben Preis. Wer Leser gewinnt, verkauft teurer, und zwar dauerhaft. Die Arbeit, die den Verkaufspreis hebt, ist dieselbe Arbeit, die den Blog auch ohne Linkverkauf trägt.

Wer die Rechnung für die eigene Seite aufmachen will, findet Rechner, Kategoriefaktoren und die Jahresbetrachtung für Direktverkauf und Marktplatz unter Blog monetarisieren. Wer statt Linkverkauf lieber Nachfrage nach der eigenen Seite aufbaut, findet die Alternativen unter Partner-Marketing und digitale PR.